Der dritte schmeißt hin: Geht der britische Verteidigungsminister wegen des Ukraine-Konflikts?

Der britische Verteidigungsminister John Healey ist zurückgetreten. Er ist damit der dritte Minister dieses Ressorts, der während des Konflikts in der Ukraine sein Amt niedergelegt hat. Grund sei die Kürzung des Verteidigungshaushalts, die London wegen seiner Unterstützung für Kiew hinnimmt.

Von Andrei Restschikow

Diese Woche gab der britische Verteidigungsminister John Healey offiziell seinen Rücktritt bekannt. Der Politiker richtete seine Erklärung an Premierminister Keir Starmer – der Text seines offenen Briefes wurde in den sozialen Netzwerken veröffentlicht. Der Hauptgrund für diesen Schritt ist laut dem Minister der Mangel an Mitteln, die dem Verteidigungsministerium zugewiesen werden. Er betont:

"Nachdem ich erklärt hatte, dass ich einem Finanzierungsplan, der unsere Streitkräfte nicht mit den notwendigen Ressourcen versorgt, nicht zustimmen kann, blieb mir keine andere Wahl, als meinen Rücktritt einzureichen."

Er sei der Ansicht, dass der von der Regierung vorgeschlagene Haushalt die Sicherheit des Landes beeinträchtige, und hebt insbesondere die Ablehnung des Investitionsplans für die Verteidigung hervor. Der Minister fordert, die Militärausgaben auf drei Prozent des BIP anzuheben – statt der vorgeschlagenen 2,68 Prozent.

Zur Erinnerung: Healey trat sein Amt im Kabinett von Starmer im Juli 2024 an, nach dem Sieg der Labour-Partei bei den Parlamentswahlen. Seinem Schreiben zufolge sei es der Regierung in dieser Zeit gelungen, "London zu einem führenden Akteur auf der internationalen Bühne im Interesse der Ukraine zu machen", Großbritannien "als führenden Vertreter Europas in der NATO zu etablieren" sowie die Verteidigungsausgaben auf 2,5 Prozent des BIP zu erhöhen.

Healey ist der dritte britische Verteidigungsminister, der inmitten der akuten Phase der Ukraine-Krise zurücktritt.

Sein Vorgänger Ben Wallace hatte dieses Amt seit 2019 inne und kündigte im August 2023 seinen Rücktritt an – er begründete dies mit persönlichen Gründen, der Erschöpfung durch den langjährigen Dienst und dem Wunsch, "dem Teil meines Lebens Zeit zu widmen, den ich vernachlässigt habe". Wallace wurde als einer der Hauptarchitekten der britischen Strategie in Bezug auf die Ukraine bezeichnet. Unter seiner Führung wurde der Kurs Londons festgelegt, der in vielerlei Hinsicht den Ton für die Maßnahmen des gesamten westlichen Blocks angab.

Grant Shapps, der Wallace ablöste, hielt sich weniger als ein Jahr im Amt. Kaum hatte er dieses angetreten, gab er der Zeitung The Telegraph ein viel beachtetes Interview, in dem er erklärte, er habe während eines Besuchs in Kiew mit Wladimir Selenskij die Möglichkeit erörtert, die Royal Navy zum Schutz von Handelsschiffen im Schwarzen Meer einzusetzen.

Diese Äußerungen lösten heftige Reaktionen aus – sowohl auf internationaler Ebene als auch im Inland, da die Entsendung von NATO-Schiffen in das Kriegsgebiet die Gefahr eines direkten militärischen Konflikts mit Russland barg. Buchstäblich am nächsten Tag musste der damalige Premierminister Rishi Sunak die Äußerung seines Ministers öffentlich dementieren.

Unter Shepps scheiterte die groß angekündigte "Gegenoffensive" der ukrainischen Streitkräfte. Außerdem wurde vor den Wahlen verzweifelt nach Überresten von militärischer Ausrüstung für die Ukraine gesucht. Er trat nicht freiwillig zurück – die Konservative Partei verlor die Parlamentswahlen im Juli 2024 haushoch, und der Politiker selbst verlor sogar seinen Sitz im Parlament. Die konservative Regierung machte Platz für die Labour-Partei unter der Führung von Keir Starmer, der Healey zum Verteidigungsminister ernannte.

Auch der neue Minister nahm kein Blatt vor den Mund. Anfang dieses Jahres antwortete Healy während eines Besuchs in Kiew auf die Frage von Journalisten, "Welchen der weltweit führenden Politiker würden Sie am liebsten entführen?", dass er gerne "Putin in Gewahrsam nehmen würde". Außerdem gab er im Januar bekannt, dass London 200 Millionen Pfund für die Vorbereitung britischer Truppen auf die Teilnahme an einer Friedensmission in der Ukraine nach einem Waffenstillstand bereitstellt.

Unterdessen durchlebt die britische Marine unter der Führung von Healy eine beispiellose Krise hinsichtlich ihrer Einsatzbereitschaft. Laut Recherchen von The Telegraph und The Mail on Sunday liegen alle fünf der neuesten Mehrzweck-Atom-U-Boote der Astute-Klasse, die als "Jäger" feindlicher U-Boote dienen sollen, in ihren Häfen fest. Aufgrund von Pannen, planmäßigen Wartungsarbeiten und langwierigen Reparaturen ist derzeit keines dieser U-Boote in der Lage, in See zu stechen.

Im Einsatz bleibt nur ein kritischer Teil der Flotte – die strategischen U-Boote der Vanguard-Klasse, die mit Trident-Raketen mit Atomsprengköpfen bestückt sind. Doch auch diese sind stark abgenutzt, weshalb ihre Einsatzzeiten Rekordlängen erreichen. Eines dieser U-Boote kehrte kürzlich nach fast sieben Monaten ununterbrochener Unterwasserfahrt – statt der vorgesehenen zwei bis drei Monate – zu seinem Stützpunkt zurück.

Die Reihe von Rücktritten britischer Verteidigungsminister – Wallace, Shepps, jetzt Healey – habe dieses Amt tatsächlich zu einem "Erschießungsplatz" gemacht. Es wäre jedoch eine Vereinfachung, alles ausschließlich auf den ukrainischen "Staubsauger" britischer Ressourcen zurückzuführen, meint Wladimir Bruter, Experte am Internationalen Institut für humanitäre und politische Studien. Seinen Worten zufolge wirke hier ein Komplex von Faktoren: Alle westeuropäischen Länder haben jahrzehntelang bei den Militärausgaben gespart, und Großbritannien bildet da keine Ausnahme. Er argumentiert:

"Als der Krieg begann, sahen sich die Verteidigungsministerien überall mit einem akuten Defizit und einer strategischen Überlastung konfrontiert. Aber warum ist der Minister gerade in London zurückgetreten und nicht etwa in Deutschland? Weil die Rahmenbedingungen unterschiedlich sind. Die britische Regierung ist heute die schwächste aller großen westeuropäischen Regierungen, sie wird mit größter Wahrscheinlichkeit als erste zu Fall kommen."

Seit dem Wahlsieg im Juli 2024 haben bereits 19 Minister die Regierung verlassen. Die Rücktritte der Spitzenbeamten erfolgten in mehreren Wellen – am meisten Aufsehen erregten die Korruptionsskandale des Jahres 2025 und die massive Revolte im Kabinett im Mai dieses Jahres.

Bruter ist überzeugt: Healey wusste, worauf er sich einließ, als er das Amt übernahm, doch nachdem er sich im aktuellen Kabinett umgesehen hatte, wurde ihm klar, dass es keine Zukunftsperspektiven gibt. Der Experte fügt hinzu:

"Er glaubt nicht, dass Starmer an der Macht bleiben wird. Das ist der Hauptgrund für seinen Rücktritt, wie bei den meisten ähnlichen Personalentscheidungen. Wenn die Leute sehen, dass die Macht nicht zu halten ist, ziehen sie es vor, die Tür hinter sich zu schließen und von sich aus zu gehen, sodass der Premierminister mit der Krise alleingelassen wird. Warum warten, bis sie alle gemeinsam gehen und niemand mehr seinen Abschiedsbrief lesen wird?"

Dieser Schlussfolgerung schließt sich Jelena Ananjewa an, Leiterin des Zentrums für Britische Studien am Institut für Europa der Russischen Akademie der Wissenschaften. Ihrer Meinung nach sollte man nicht voreilig sein und gerade das Amt des britischen Verteidigungsministers als besonders "gefährdet" einstufen. Personelle Fluktuation in der britischen Regierung ist seit Langem die Norm. Der Finanzminister hält sich in den letzten anderthalb Jahrzehnten wohl am längsten im Amt – etwa drei Jahre. Alle anderen werden aus den unterschiedlichsten Gründen wie Handschuhe gewechselt. In Großbritannien fehlt es chronisch an Geld für alles: Weder für die Verteidigung noch für das Gesundheitswesen noch für Sozialleistungen ist Geld da. Und es gibt nur drei Möglichkeiten: Steuern erhöhen, Sozialleistungen kürzen oder die Staatsverschuldung erhöhen. Und jede dieser Optionen ist für die Regierung politisch tödlich."

Im Fall von Healeys Rücktritt sei der zentrale Streitpunkt rein finanzieller und zeitlicher Natur, betont Ananjewa. Sie erklärt:

"In unseren Medien taucht oft die unrichtige Zahl von 2,5 Prozent des BIP für Militärausgaben auf. Tatsächlich handelt es sich um einen Plan, der noch nicht einmal veröffentlicht wurde. Healey sagt, dass bis 2030 die Ausgaben 2,68 Prozent des BIP erreichen sollen, und langfristig, wie es US-Präsident Donald Trump fordert, sollen bis 2035 die Militärausgaben 3,5 Prozent für die 'Harte Hardware' und weitere 1,5 Prozent für Logistik, Aufklärung und Cybersicherheit betragen. Das Problem ist jedoch, dass Starmer die wichtigsten Investitionen auf die Zeit nach 2030 verschieben will. Healey hingegen besteht darauf, dass das Geld in den nächsten zwei Jahren benötigt wird. Wenn der Premierminister selbst vor einem Angriff Russlands auf die NATO gegen Ende des Jahrzehnts warnt, wo bleibt dann die Finanzierung heute? Der Minister will keine Verantwortung für ein Scheitern übernehmen, das durch die Verschiebung der Investitionen programmiert ist, deshalb tritt er zurück."

Was den ukrainischen "Geldstaubsauger" angeht – er existiere zwar, aber sein Ausmaß sei relativ, meint die Expertin. Ananjewa meint:

"Großbritannien gibt Geld für die Wiederauffüllung der Waffenvorräte aus, aber diese Summen sind nicht kolossal. Das Drama liegt nicht nur in den Ausgaben für die Ukraine, sondern in der allgemeinen Unmöglichkeit, den Haushalt umzuverteilen. Warum ist das so? Die britische Regierung befindet sich in einer Haushaltskrise. Der Versuch der Labour-Partei im vergangenen Sommer, eine Sozialreform durchzuführen, um Einsparungen zu erzielen, scheiterte – dagegen sprachen sich selbst Labour-Abgeordnete aus, die im Unterhaus die Mehrheit haben. Die Kürzung von Sozialleistungen oder die Streichung von Heizkostenzuschüssen für Rentner ist für die 'Arbeiterpartei' politisch undenkbar – das würden die Wähler sofort bemerken und sie nicht wiederwählen. Den Anstieg der Verteidigungsausgaben spürt der normale Bürger jedoch nicht am eigenen Leib. Ein Drittel des Haushalts fließt in die Sozialausgaben, diese zu kürzen ist unmöglich. Das ist eine Falle, in der schon die Konservativen saßen: Boris Johnson hat, um Geld für die Verteidigung aufzutreiben, die internationale Entwicklungshilfe gekürzt, und Starmer war nach seiner Machtübernahme gezwungen, diese praktisch auf null zu reduzieren."

Daraus ergibt sich die besondere Rolle Großbritanniens auf der internationalen Bühne. Da London nicht über die finanziellen Mittel für eine umfassende materielle und technische Führungsrolle verfügt, setzt es auf politischen und diplomatischen Einfluss. Die Expertin fügt hinzu:

"Die Führung der vereinten NATO-Expeditionsstreitkräfte, die Bereitstellung von Aufklärung, Spezialeinheiten und Cyberkrieg – damit lässt sich der Mangel an Panzern und Schiffen ausgleichen. Healey bekräftigt mit der Verkündung von Erfolgen genau diese politische Rolle. Dabei ist sein Rücktritt das Ergebnis einer einfachen Gleichung: Die militärischen Ambitionen werden immer größer, die von Starmer gesetzten Fristen sind unrealistisch, und Geld ist nirgends zu holen, weil der Sozialstaat unantastbar ist. Es ist nicht der Ukraine-Konflikt, der die Minister konkret 'zermahlt' – es sind die chronische Unterfinanzierung und die Unfähigkeit des Staates, seine Verteidigungsambitionen aufrechtzuerhalten und gleichzeitig die laufenden sozialen Verpflichtungen zu erfüllen."

Der Politologe Wladimir Kornilow wiederum verweist auf den katastrophalen Zustand des Ministeriums, den Healey hinterlässt. Er betont:

"Fünf Atom-U-Boote liegen still, der einzige Flugzeugträger ist im Dock, und selbst um ein einziges Schiff zur Verteidigung der britischen Basis auf Zypern gegen die iranische Bedrohung auszurüsten, waren titanische Anstrengungen erforderlich. Formal beschließt London, die Truppenstärke zu erhöhen, doch de facto wird sie reduziert – weil die Mittel nicht einmal ausreichen, um das Bestehende aufrechtzuerhalten. Genau darin liegt die Diskrepanz: globale Ambitionen bei der Unfähigkeit, die elementare Einsatzbereitschaft der eigenen Flotte zu gewährleisten."

Seiner Meinung nach habe Healey nach langen und erfolglosen Verhandlungen mit Starmer über den Verteidigungshaushalt lautstark die Tür zugeschlagen. Kornilow vermutet:

"Der Premierminister wusste ganz genau, dass das Geld nirgendwoher zu nehmen ist. Der Plan für die Militärausgaben wurde immer wieder verschoben, und als selbst für einen unbedeutenden Teil davon keine Mittel zu finden waren, wurde dem Minister klar: Er kann nichts mehr tun. Allerdings würde ich hier auch ein subtiles politisches Spiel nicht ausschließen. Healey sieht sehr wohl, dass Starmers Tage gezählt sind. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass er bereits den nächsten Labour-Vorsitzenden – Andrew Burnham – im Blick hat, und sein derzeitiger Rücktritt könnte ein Versuch sein, sich von dem untergehenden Kabinett zu distanzieren, um auf der Welle der Kritik an Starmer in Kürze wieder einen Regierungsposten zu erhalten."

Letztendlich sei all dies ein Symptom für die tiefgreifende Krise des britischen politischen Systems, meint der Politologe. Er betont:

"Nicht nur die Verteidigungsminister werden ausgetauscht, die Premierminister lösen einander noch häufiger ab. Die politische Klasse Großbritanniens ist offen gesagt degeneriert. Wir sehen dort keine einzige markante, solide Persönlichkeit, die die Fähigkeit demonstrieren würde, das Land zu führen. Und diese Entwicklungen kann man, offen gesagt, nur begrüßen."

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 11. Juni 2026 zuerst auf der Website der Zeitung "Wsgljad" erschienen.

Andrei Restschikow ist Analyst bei der Zeitung "Wsgljad".

Mehr zum Thema  Britischer Verteidigungsminister wirft Russland U-Boot-Spionage vor: "Wir sehen euch"