Nordrhein-Westfalen: In Münster eröffnet die europaweit erste Islamisch-Theologische Fakultät

Als europaweit erste Hochschule wird die Universität Münster zum 1. Juli eine "Islamisch-Theologische Fakultät" eröffnen. Ziel sei unter anderem, Lehrkräfte für den islamischen Religionsunterricht auszubilden. Zur Umsetzung wurde ein neuer Religionscampus erbaut. Der Lehrbetrieb starte im Oktober.

Die Universität Münster unterstützt die politische Absicht, die islamische Theologie in Deutschland zu einem eigenen Fachbereich zu erheben, und gründet damit als erste Hochschule offiziell eine Islamisch-Theologische Fakultät. Das bisherige Zentrum für Islamische Theologie wird dabei in den neu geschaffenen Fachbereich 16 überführt. Die Einrichtung wird laut Ex-Bildungsministerin Annette Schavan europaweit als erste Islamische Fakultät "wahrgenommen werden". Der neu geschaffene "Campus der Religionen könnte nicht zuletzt helfen zu verstehen, dass Religionen weltweit einflussreich sind", begrüßte die CDU-Politikerin das Ereignis in einem Gastbeitrag für Domradio.

Für den Direktor Prof. Dr. Johannes Wessels ist die Gründung der Islamisch-Theologischen Fakultät zum 1. Juli "ein gesellschaftspolitisches Zeichen für mehr Toleranz ist, das weit über Münster hinaus beachtet werden wird". Schavan würdigt die Gründung "als Meilenstein" und erklärt:

"Es ist eine historische Erfahrung, dass Religionen Geschichten von Heil und Unheil schreiben. Das gilt bis in unsere Tage. Umso mehr bedarf es der wissenschaftlichen Reflexion und auch der Wirksamkeit von wissenschaftlicher Theologie in modernen Gesellschaften."

Laut Medienberichten erhält die Fakultät "weitreichende Zuständigkeiten in Lehre, Forschung und akademischer Selbstverwaltung". Gründungsdekan wird demnach ab Juli der islamische Theologe Mouhanad Khorchide, der seit 2010 die Professur für islamische Religionspädagogik innehat. Auf der Website der Universität wird der Theologe mit der Wahrnehmung zitiert:

"Das Profil der Universität Münster als Ort der theologischen Vielfalt wird dadurch gestärkt. Dieser Schritt ist für viele Muslime in Deutschland ein eindrucksvolles und wichtiges Signal der Anerkennung."

Die Website theology kommentiert:

"Die Gründung ist daher mehr als Verwaltungsreform. Sie ist ein Prüfstein moderner Religionspolitik: Anerkennung muslimischer Lebenswirklichkeit, Stärkung akademischer Theologie und Einladung zu einem interreligiösen Dialog auf Augenhöhe. Für Kirchen eröffnet sich hier eine wichtige Chance: nicht nur über den Islam zu sprechen, sondern mit islamischer Theologie wissenschaftlich, kritisch und respektvoll ins Gespräch zu kommen."

Der akademische Betrieb ist für das Wintersemester 2026/27 vorgesehen und soll durch acht Professoren gewährleistet werden. Zum chronologischen Entwicklungsprozess informiert die Universität:

"Für die Gründung des Fachbereichs 16 bedurfte es jahrelanger Vorbereitungen. Ausgangspunkt war die Einrichtung des ZIT im Jahr 2012. Drei Jahre später erarbeitete die 'AG Theologien' erste Ideen für eine Weiterentwicklung des Zentrums. 2019 fasste das Rektorat den Beschluss, das ZIT in einen Fachbereich zu überführen."

Vorgesehen sind laut Planung vier Professoren, darunter Stellen zur islamischen Philosophie und zum Islam in der Sozialarbeit. Derzeit seien bereits rund 450 Studierende eingeschrieben, "sowohl im Lehramt für alle Schulformen als auch in theologischen Bachelor- und Masterstudiengängen".

Dazu erkärte die Evangelische Zeitung bereits im April ergänzend, dass "aus anfangs 13 Studenten und 3 Beschäftigten inzwischen mehr als 450 Studenten und rund 80 Mitarbeiter" auf dem Gelände der Universität zum Thema Islam-Theorien aktiv seien.

Die frühere Vatikan-Botschafterin Schavan erklärt in ihrem Gastbeitrag, das "Interesse ist groß", so sei auch die Zahl der Bewerbungen um einen Studienplatz in Münster unverändert hoch. Seit dem 28. Juni 2022 regiert in Nordrhein-Westfalen eine schwarz-grüne Regierung aus CDU und Bündnis 90/Die Grünen unter Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU).

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