Von Felicitas Rabe
Am Sonntag fand im Rahmen der UZ-Friedenstage in Berlin eine Matinée mit dem letzten Staatsratsvorsitzenden der DDR, Egon Krenz, und dem DKP-Vorsitzenden Patrik Köbele statt. Das Interesse an der Veranstaltung war so groß, dass nicht alle Zuhörer im Münzenbergsaal des Veranstaltungsgebäudes FMP1 Platz fanden. So versammelten sich noch weitere Interessenten zur Übertragung in den Fluren des Hauses. Mit bewegenden Musikeinlagen und Gedichten begleiteten die Sängerin Gina Pietsch, der Schauspieler Erich Schaffner und der Musiker und letzte stellvertretende Kulturminister der DDR, Hartmut König, das Podiumsgespräch zum Thema "Deutsche Wege. Warum im Osten Arbeiterparteien vereinigt und im Westen die KPD verboten wurde."
Egon Krenz sei bis zu seinem Ausschluss im Jahr 1989 52 Jahre Mitglied der SED gewesen, erklärte er zu Beginn seines Vortrags. Heute könne man viel Gutes und viel Schlechtes über die SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) sagen. Die Partei habe großartige Erfolge und bittere Niederlagen erlebt. Aber eines stehe fest, betonte der letzte Staatsratsvorsitzende der DDR:
"Es gab in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung keine andere Partei, die es wagte, den Sozialismus aufzubauen."
In der westdeutschen Bundesrepublik sei unterdessen im Jahr 1956 die KPD (Kommunistische Partei Deutschlands) verboten und als verfassungswidrig erklärt worden, berichtete Patrik Köbele. Im Jahr 1968 habe sich die DKP (Deutsche Kommunistische Partei) neu konstituiert. Mit 16 Jahren, im Jahr 1978, sei er Mitglied geworden. Nach dem sogenannten "Radikalenerlass" aus dem Jahr 1972 seien in Westdeutschland rund 11.000 Berufsverbotsverfahren gegen DKP-Mitglieder und andere linksorientierte Personen eingeleitet worden. Seit ihrer Gründung bis heute habe die DKP immer nur einen halblegalen Status gehabt.
Egon Krenz war mit dem ersten Vorsitzenden der DKP, Kurt Bachmann aus Westdeutschland, befreundet. Bachmann habe ihm berichtet, so Krenz, wie er im Rentenalter seine Berufskarriere auf der Rentenstelle belegen musste. Die Rentenstelle habe moniert, dass über einen Zeitraum von mehreren Jahren die Arbeitsnachweise fehlen würden. In dieser Zeit war Bachmann als politisch Verfolgter im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert und leistete dort schwerste Zwangsarbeit. Das habe Bachmann zu den fehlenden Arbeitsnachweisen auf dem Amt erläutert. Die Zeit der Zwangsarbeit würde ihm nicht auf die Rente angerechnet, hätte die westdeutsche Rentenstelle entschieden.
Gegen Ende seines Vortrags reflektierte Krenz die Rolle der SED und ihre Fehler:
"Es wurden grobe Fehler gemacht. Das Prinzip des demokratischen Sozialismus wurde falsch verstanden. Beschlüsse wurden nicht diskutiert. Aber: Wir hätten alles richtig machen können, und trotzdem würden wir heute nicht mehr existieren."
"Ich wundere mich heute noch, dass wir überhaupt 40 Jahre durchgehalten haben. Bei den Feinden, die wir hatten, ist das schon fast ein Wunder."
Den größten Unterschied zwischen der BRD und der DDR sieht er in der Friedlichkeit der DDR. In der DDR wäre es nie möglich gewesen, kriegsbereit zu sein. Die DDR-Soldaten und die NVA (Nationale Volksarmee) der DDR seien die letzte deutsche Armee des Friedens gewesen.
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