In seiner Rede auf dem BRICS-Gipfel erinnerte Russlands Präsident Wladimir Putin daran, dass es sich bei BRICS um das größte transnationale Bündnis der Welt handele: Es umfasse ein Drittel der Landfläche der Erde, erwirtschafte 40 Prozent des globalen BIP und vereine fast die Hälfte der Weltbevölkerung. Das Bündnis habe sich zu Recht als wichtiges Zentrum globaler Governance etabliert, betonte der russische Staatschef.
Putin führte aus, dass die Welt derzeit wahrhaft radikale geopolitische, geoökonomische, technologische und soziale Transformationen durchläuft.
"Viele Dinge verändern sich – unsere Art zu leben, das Niveau der Medizin, die Umwelt, die Struktur der Gesellschaft und die demografische Landkarte der Welt wandeln sich."
Das unipolare System der internationalen Beziehungen gehöre der Vergangenheit an. Das Machtgleichgewicht verschiebt sich zugunsten neuer Wachstumszentren im globalen Süden und Osten. Immer mehr Staaten erklären lautstark und unmissverständlich ihre Bereitschaft, ihre nationalen Interessen zu verteidigen und sich an der Lösung globaler Probleme beteiligen zu wollen, so Putin weiter.
"Dies stößt auf Widerstand bei denjenigen, die es gewohnt sind, in kolonialen Kategorien zu denken – die Welt in einen blühenden Garten und einen wilden Dschungel einzuteilen und auf Kosten anderer zu leben."
Sie seien nicht bereit, die sich wandelnde Realität zu akzeptieren, und versuchten, das Wachstum von Konkurrenten durch Handelskriege, unrechtmäßige Sanktionen und Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzuschränken, erinnerte der Präsident unter Verweis auf die Praxis der westlichen Länder. Im Kontext der entstehenden multipolaren Weltordnung sei es daher wichtiger denn je, zusammenzuarbeiten, um einen echten Multilateralismus zu stärken und immer mehr Länder in globale Governance-Mechanismen einzubeziehen, betonte er.
Russland misst der Erhaltung und Stärkung der Rolle der Vereinten Nationen in der Weltpolitik höchste Bedeutung bei, hält es aber gleichzeitig für notwendig, die Qualität ihrer Arbeit zu verbessern und Reformen durchzuführen. Putin ist der Ansicht, dass eine Erweiterung des UN-Sicherheitsrats um Länder aus Asien, Afrika und Lateinamerika dies erleichtern würde. Aktuell sind die westlichen Staaten im Sicherheitsrat überrepräsentiert. Von den fünf Veto-Mächten, sind drei Staaten Mitglied der NATO.
Der russische Staatschef ist überzeugt, dass das BRICS-Bündnis die große Chance bietet, die vorteilhafte Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten immer weiter auszubauen und die Effektivität des globalen Governance-Systems zu steigern, um echte Multipolarität und Gerechtigkeit in den zwischenstaatlichen, globalen Angelegenheiten zu gewährleisten.
Zum Abschluss des Gipfels verabschiedeten die Teilnehmer eine gemeinsame Erklärung. Wie der indische Premierminister Narendra Modi betonte, enthält diese klare Handlungsanweisungen. Die Staatschefs tragen dabei die Verantwortung, diese Ziele in konkrete Politik umzusetzen, fügte er hinzu.
Die gemeinsame Erklärung unterstreicht unter anderem die Bedeutung des globalen Südens als Motor positiver Veränderungen. Darüber hinaus
- weist sie auf die Notwendigkeit hin, die Energiesicherheit zu stärken;
- lehnt sie einseitige Sanktionen ab, die dem Völkerrecht widersprechen;
- bekräftigt sie das Engagement im Kampf gegen alle Formen des Terrorismus;
- weist sie auf die Notwendigkeit hin, die friedliche Nutzung von Weltraumtechnologien sicherzustellen;
- verurteilt sie die Verletzung der libanesischen Souveränität und fordert Israel auf, seine Truppen aus den besetzten libanesischen Gebieten abzuziehen;
- bekräftigt sie das Bekenntnis zur Souveränität und territorialen Integrität Syriens;
- und fordert den Schutz des kulturellen Erbes in Konfliktgebieten.
Die BRICS wurden 2006 von Russland, China, Indien und Brasilien gegründet. Südafrika trat 2011 bei, und seit Anfang 2024 haben sich weitere Länder angeschlossen. Den Vorsitz der Organisation hat in diesem Jahr Indien.
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