Digitalbank Revolut gab sensible Kundendaten an vermeintliche Regierungsbehörde weiter

Eine scheinbare Behördenanfrage hat bei der weltweit expandierenden Digitalbank Revolut zu einem Abfluss sensibler Daten geführt. Nicht nur persönliche Daten der Kunden, sondern auch Informationen über finanzielle Transaktionen könnten die Betrüger dabei abgefischt haben.

Bei einer in Großbritannien ansässigen Digitalbank ist es zu einem Datenleck offenbar größeren Ausmaßes gekommen. Wie Medien am Samstag berichteten, gab das global tätige finanztechnologische Unternehmen Revolut sensible Kundendaten an Unbefugte weiter.

Die Betrüger sollen demnach über die vorgeblich "legitime E-Mail-Domain einer Regierungsbehörde" Anfragen an die Bank gestellt haben, die diese im Glauben, mit einer echten Behörde zu kommunizieren, auch beantwortete. Mittlerweile hat Revolut festgestellt, einem Betrug aufgesessen zu sein.

Das Online-Nachrichtenportal TechCrunch zitierte aus Revolut-Benachrichtigungen an betroffene Kunden. Ihnen zufolge kamen die Online-Gauner an Geburtsdaten, Telefonnummern, Post- und E-Mail-Adressen. Auch Kopien von Reisepässen und Führerscheinen sollen unter den weitergeleiteten Daten sein.

Wie Revolut in dem Anschreiben an die Kunden eingesteht, könnte der Daten-Klau aber weit größere Ausmaße umfassen: Demnach könnten sich auch Verifizierungs-Selfies, Kontoauszüge und Transaktionshistorien in den Händen der Angreifer befinden.

Die Digitalbank bestätigte das Datenleck gegenüber TechCrunch und der Nachrichtenagentur Reuters. Demnach habe es sich um einen "raffinierten externen Identitätsdiebstahl" gehandelt, bei dem durch die Nutzung einer Behörden-E-Mail unbefugte Dritte an Kundendaten gelangt seien. Es sei aber nur eine begrenzte Anzahl an Kunden betroffen.

Die genaue Anzahl der Geschädigten nannte Revolut nicht, ebenso fehlte eine Angabe darüber, welche Regierungsbehörde die Betrüger als Scheinidentität benutzt hatten. Auch bleibt unklar, ob sich Kunden weltweit oder nur in einer bestimmten Region Sorgen um ihre Daten machen müssen. Dem Krypto-Sicherheitsforscher ZachXBT zufolge habe die Attacke der Internetbetrüger auf vermögende Revolut-Kunden abgezielt.

Der Digitalbank zufolge wurde die betroffene E-Mail-Adresse mittlerweile gesperrt. Die für den Betrug missbrauchte Behörde, die Strafverfolgungsorgane und die zuständigen Finanz- und Datenschutzaufsichtsbehörden seien informiert.

Entwarnung gab Revolut bezüglich der Kundeneinlagen: "Die Systeme von Revolut und die Kundengelder sind nicht betroffen", erklärte das Unternehmen. Zugangscodes, Login-Daten und biometrische Informationen hätten die Betrüger nicht erbeutet.

Die Neo-Bank Revolut wurde 2015 von Nik Storonsky und Vlad Yatsenko gegründet. Beide Unternehmer stammen aus der früheren Sowjetunion. Mittlerweile hat die in mehr als 30 Ländern weltweit tätige Bank eigenen Angaben zufolge über 80 Millionen Kunden. Derzeit erfolgt eine Expansion auf Märkte wie Indien, Mexiko, die Vereinigten Arabischen Emirate und die Vereinigten Staaten. Auch ein Börsengang steht Medienberichten zufolge in Aussicht.

Mehr zum Thema ‒ Moskau will Vermögen von Geschäftsleuten, die Russland verlassen haben, einfrieren