Wie der litauische Sender LRT heute mitteilte, leidet der litauische Teil der Kurischen Nehrung unter einer regelrechten Waschbär-Invasion. Besonders betroffen soll der Ort Juodkrantė sein. Bei den possierlichen Tieren handelt es sich um eine invasive Art, die ursprünglich aus Nordamerika stammt.
Die genaue Zahl der Waschbären auf der Kurischen Nehrung ist unbekannt, aber ein Mitarbeiter des Zoologischen Museums Tadas Ivanauskas geht von 50 bis 100 Exemplaren aus. Es seien jedenfalls ziemlich viele.
Die nachtaktiven Tiere finden auf der Kurischen Nehrung offenbar ideale Bedingungen. Tagsüber verstecken sie sich in Baumhöhlen oder klettern auf abgebrochenen Kieferstämmen, um sich dort auszuruhen. Nachts gehen sie dann auf Nahrungssuche. Und die läuft offenbar recht erfolgreich.
Denn wie Waschbär-Experte Saulius Rumbutis erzählt, halten sich die tierischen Invasoren gerne in der Nähe menschlicher Siedlungen auf, wo sie reichlich Nahrung finden. So greifen sie zum Beispiel bereitwillig auf Pizzastücke zurück, die die Touristen zuvor weggeworfen haben.
Die Waschbären knacken aber auch Muschelschalen oder suchen Vogelnester am Boden oder in den Bäumen heim. Und genau das ist das Problem: Denn die Tiere fressen die Eier und Küken der heimischen Vögel, was deren Bestand dezimieren könnte.
Fressfeinde haben die Waschbären auf der Kurischen Nehrung nicht, während sie außerhalb der an der Ostsee gelegenen Landzunge mit dem Raubtier Wolf zu rechnen haben. Auf der Nehrung jedoch fallen sie höchstens Verkehrsunfällen zum Opfer.
Das litauische Umweltministerium hat deshalb einen Plan zur Bekämpfung der Waschbären erarbeitet. Sie werden gezählt und überwacht, ab dem kommenden Frühjahr voraussichtlich auch gefangen und gejagt.
Der Zoologe Rumbutis gibt Tipps für die Ergreifung der Waschbären: "Man kann sie mit Lebendfallen fangen. Sie riechen den Köder, gehen in die Fallen und werden gefangen." Allerdings seien die Tiere recht geschickt und in der Lage, mit ihren flinken Vorderpfoten die Türen der Fallen zu öffnen. Deshalb benötige man spezielle Fallen, aus denen die Waschbären nicht so leicht entkommen könnten.
Woher die Waschbären auf der Kurischen Nehrung stammen, ist unklar. Vermutet wird, dass jemand in Gefangenschaft gehaltene Tiere freigelassen habe und sie sich dann in Freiheit vermehrt hätten. Russland wurde bisher jedenfalls noch nicht als Verursacher der Waschbären-Invasion bezichtigt.
Das wäre nach aller Logik auch schwer möglich. Denn auf der russischen Seite der Kurischen Nehrung kennt man das Waschbären-Problem nicht. Dort hat man es stattdessen mit aus Ostasien eingeschleppten Marderhunden zu tun.
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