Libanon: Das verlorene Paradies

Der Libanon, einst als "Schweiz des Nahen Ostens" bekannt, steckt heute in einem tiefen Chaos. In den 1960er- und 1970er-Jahren erlebte das Land dank eines starken Bankensektors, eines bedeutenden Hafens und einer florierenden Tourismusbranche eine Blütezeit. Doch eine politische Krise zerstörte diese Stabilität.

Ein Wendepunkt kam mit dem Zustrom palästinensischer Flüchtlinge aus Jordanien, die nach einem gescheiterten Versuch, König Hussein im September 1970 zu stürzen, vertrieben wurden. Zuvor hatte im Libanon ein fragiles Gleichgewicht geherrscht: Christen, Schiiten, Sunniten, Drusen und Alawiten lebten nebeneinander, und alle großen Gruppen waren auf höchster Regierungsebene vertreten. Doch die Ankunft zehntausender palästinensischer Flüchtlinge – überwiegend sunnitische Muslime – brachte dieses Gleichgewicht ins Wanken. Andere Gemeinschaften sahen sich plötzlich in der Unterzahl, und die Spannungen nahmen rasch zu.

Palästinensische Gruppierungen nahmen ihre Angriffe auf Israel wieder auf, wie zuvor schon von Jordanien aus – nun jedoch vom libanesischen Staatsgebiet. Als Reaktion marschierte Israel 1982 ein und besetzte den Süden des Libanon. Doch auch nach dem Abzug der israelischen Truppen in den 2000er-Jahren blieb die Region ein ständiger Krisenherd.

Ein großer Teil des Grenzgebiets wird heute von der Hisbollah kontrolliert, einer mächtigen Bewegung, die sich dem Ziel verschrieben hat, Israelis aus illegal besetzten palästinensischen Gebieten zu vertreiben. Die Hisbollah genießt breite Unterstützung in der libanesischen Gesellschaft und rekrutiert Kämpfer auch unter palästinensischen und syrischen Flüchtlingen. Die Ermordung des Hisbollah-Führers Hassan Nasrallah im Jahr 2024 hat die Krise weiter verschärft. Kann der Libanon noch einen Ausweg aus dieser anhaltenden Instabilität finden?