Von Olga Samofalowa
Der Exportabschnitt des Gaspipeline-Projekts "Power of Siberia 2" könnte den Namen "Power of the Baikal" erhalten. Dies erklärte der russische Energieminister Sergei Ziwilew auf einer Sitzung der Kommission des Staatsrats für den Bereich "Energie" im Rahmen des Östlichen Wirtschaftsforums (EWF). Seinen Angaben zufolge stammt dieser Name von Präsident Wladimir Putin.
Zudem befinde sich das Gasleitungsprojekt "Power of Siberia 2" in der Endphase der Vorbereitungen für den Baubeginn, teilte der Energieminister mit.
Was bedeutet das alles? Eine Namensänderung der Gaspipeline geht oft mit einer Änderung ihrer Trasse einher. Dabei wäre es äußerst unklug, mit dem Bau der Pipeline zur chinesischen Grenze ohne einen kommerziellen Vertrag zu beginnen, da dies die Verhandlungsposition von Gazprom schwächt. Daher gehen Experten davon aus, dass dies nicht der Fall ist.
Igor Juschkow, leitender Analyst des russischen Fonds für nationale Energiesicherheit und Dozent am Lehrstuhl für Politikwissenschaft der Finanzuniversität bei der Regierung der Russischen Föderation, sagt:
"Wenn der Bau der Pipeline tatsächlich ohne Unterzeichnung eines Handelsvertrags beginnen würde, wäre das sehr schädlich. China ist ohnehin ein sehr harter Verhandlungspartner, weshalb der Vertrag bis heute nicht unterzeichnet wurde.
Wenn wir Milliarden US-Dollar für den Bau der Pipeline ausgeben und dann an der Grenze zu China stecken bleiben, wird Peking natürlich verlangen, dass wir das Gas für einen Spottpreis verkaufen, denn wir haben das Geld für den Bau ja ohnehin schon ausgegeben und können nicht mehr zurück. Deshalb darf man keine Gaspipeline bauen, solange man das Gas, das durch sie fließen soll, nicht verkauft hat.
Man sollte hier keinen übertriebenen Optimismus an den Tag legen, dass der Bau bereits im Gange sei. Solange wir uns nicht auf einen Preis geeinigt und keinen Handelsvertrag unterzeichnet haben, wird es keinen Bau geben."
Ursprünglich trug "Power of Siberia 2" bereits einen anderen Namen – "Altai". Damals war die Namensänderung aufgrund einer Änderung der Trasse erforderlich. Ursprünglich wollte man die Gaspipeline direkt von der russischen Teilrepublik Altai nach China verlegen, ohne dass ein Transitland beteiligt war. Doch dies hatte einen Nachteil: Das russische Gas wäre in derselben Region in China angekommen, in die bereits zentralasiatisches Gas geliefert wird, und dort herrscht starker Wettbewerb. Daher wurde beschlossen, den Zugangspunkt zum chinesischen Markt durch einen vorteilhafteren zu ersetzen – so entstand die Route durch die Mongolei und das Projekt unter dem neuen Namen "Power of Siberia 2".
Diesmal ist offenbar doch keine Rede von einer Änderung des Zugangspunkts zum chinesischen Markt. Und die Route durch die Mongolei bleibt bestehen. Zumal China und Russland im Jahr 2025 ein rechtsverbindliches Memorandum unterzeichnet haben, in dem die Route bereits vereinbart wurde.
Allerdings sind auf russischem Gebiet Änderungen der Trasse geplant, sodass die Gaspipeline in der Nähe des Baikalsees verlaufen wird, was auch zur Entstehung des neuen Namens geführt hat.
Tatsache ist, dass der Präsident Gazprom zuvor die übergreifende Aufgabe gestellt hatte, den Westen und den Osten des Landes in ein einziges Gastransportsystem zu integrieren. Zu diesem Zweck wird zum einen bereits eine Verbindungsgasleitung gebaut, um "Power of Siberia 1" und die Gasleitung "Sachalin – Chabarowsk – Wladiwostok" miteinander zu verbinden (Fertigstellungsgrad 75 Prozent). Zum anderen laufen die Vorbereitungsarbeiten für den Bau einer weiteren Verbindungsgasleitung, um "Power of Siberia 1" durch den Bau von "Power of Siberia 2" mit dem einheitlichen Gasversorgungssystem Russlands zu verbinden. Möglicherweise spricht der Energieminister genau über den Übergang zum Bau dieser Verbindungsleitung.
Es ist geplant, dass die "Power of Siberia 2" von der Region Tomsk aus in Richtung Osten verläuft, an Krasnojarsk, Sajansk, Angarsk und Irkutsk vorbeiführt und sich anschließend mit der "Power of Siberia 1" verbindet, die am Kowykta-Gasfeld in der Region Irkutsk beginnt. Dieser russische Abschnitt von "Power of Siberia 2" oder "Power of the Baikal" wird dazu beitragen, die Regionen südlich des Baikalsees an das Gasnetz anzuschließen. Zuvor wollte Gazprom mit Hilfe dieser Pipeline die russische Teilrepublik Burjatien und die Region Transbaikalien an das Gasnetz anschließen.
Um die Gaslieferungen nach China zu organisieren, muss eine Abzweigleitung aus dem Irkutsker Gebiet in Richtung Süden gebaut werden, die durch das Gebiet der Teilrepublik Burjatien südlich des Baikalsees bis zur Grenze zwischen Russland und der Mongolei in der Nähe der Ortschaft Nauschki verläuft. Daher stammt offenbar auch der Name "Power of the Baikal".
Michail Wakiljan, der Experte des Instituts für Technologieentwicklung im Bereich Energie- und Brennstoffsektor, erklärt:
"Den Sinn des neuen Namens sehe ich in der Geografie. Die westlichen und östlichen Gastransportsysteme Russlands werden genau im Baikalgebiet, bei Kowykty, zusammenlaufen. Der Name verweist also auf den Punkt, um den herum der russische Teil der Pipeline an sich schon Sinn macht. Auf die Mengen und die Trasse hat dies keinen Einfluss, da die Projektunterlagen an Abschnitte und Objekte gebunden sind und nicht an den Markennamen. Gleichzeitig wird damit der zwanzigjährige Schatten eines 'fast unterzeichneten' Vertrags vom Projekt genommen."
Was den "Übergang zur Bauphase" von "Power of Siberia 2" betrifft, so wurde laut Wakiljan im Jahr nach der Unterzeichnung des rechtsverbindlichen Memorandums zwischen Gazprom und der China National Petroleum Corporation genau das absolviert, was die Vorbereitungsphase ausmacht: Trassenführung, ingenieurtechnische Untersuchungen, Planung der Abschnitte, Finanzierungsplan und Liste der Auftragnehmer. Der "Übergang zur Bauphase" bedeute, dass nun die Beschaffung von Rohren und die Mobilisierung entlang der Trasse begännen, meint der Experte. Wakiljan erklärt weiter:
"Der russische Abschnitt von Jamal bis zur Region Irkutsk verbindet zwei Gasleitungsnetze und liefert Gas für die Erschließung Sibiriens und des Fernen Ostens. Das Land braucht ihn unabhängig von den Geschäften mit China. Dieser Abschnitt kann ohne chinesische Zustimmung gebaut werden. Der Ferne Osten benötigt im Jahr 2026 neun bis zehn Milliarden Kubikmeter und bis zum Jahr 2035 wird ein Bedarf von 34 Milliarden Kubikmetern prognostiziert.
Die Exportabzweigung durch die Mongolei hingegen kann ohne festgelegten Preis und ohne Abnahmeverpflichtungen nicht gebaut werden. Eine Pipeline im Wert von Milliarden US-Dollar, die vor dem Vorliegen rechtlicher Absatzgarantien gebaut wird, wird zum Argument des Käufers und nicht des Verkäufers. Sobald die Pipeline die Grenze erreicht, erhält der einzige Käufer das Recht, den Preis zu diktieren."
Deshalb wird der Bau der russischen Abschnitte fortgesetzt, aber nicht darüber hinaus.
Was die Verhandlungspositionen der beiden Länder bei diesem Projekt angeht, so hat sich das Gleichgewicht im Laufe des Jahres zugunsten Moskaus verschoben. Der Experte meint:
"Die Krise in der Straße von Hormus hat Peking den Preis der Abhängigkeit von Flüssiggas-Lieferungen auf dem Seeweg vor Augen geführt. Die Lieferungen aus Katar sind zum Erliegen gekommen, die asiatischen Spotpreise sind in die Höhe geschossen. Die Pipeline aus Russland erscheint China danach nicht mehr als billiges Gas, sondern als Absicherung gegen Risiken auf See – und für eine solche Absicherung zahlt man anders."
Ein Vertragsabschluss sei, so Wakiljan, näher als noch vor einem Jahr, doch das Signal dafür werde nicht ein neuer Name oder eine Erklärung zur Baubereitschaft sein, sondern eine öffentliche Preisformel und die Verpflichtung der chinesischen Seite zum Kauf des russischen Gases.
Das Projekt "Power of Siberia 2" lässt sich in zwei Teile unterteilen – den russischen Abschnitt und den Exportabschnitt.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 3. September 2026 auf der Webseite der Zeitung "Wsgljad" erschienen.
Olga Samofalowa ist Wirtschaftsanalystin bei der Zeitung "Wsgljad".
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