Vladislav Lanish ist tot. Der 29-Jährige, der seit seiner Kindheit im Kanton Zürich lebte, starb Anfang Februar in der nordukrainischen Stadt Sumy, nahe der Front. Eine Nachbarin fand ihn auf dem Küchenboden, neben ihm eine gebrauchte Spritze. Laut Totenschein handelt es sich um eine Vergiftung durch unbekannte Substanzen, vieles deutet auf eine Überdosis hin.
Sein Leben spielte sich lange in der Schweiz ab. Vladislav kam als Kind nach Zürich, wuchs hier auf, sprach Deutsch und war im Alltag integriert. In seinem Umfeld nannte man ihn "Vlady". Seine Mutter lebt seit Jahrzehnten in Wetzikon, Kanton Zürich.
Der Beobachter hat den Fall publik gemacht: Im Oktober 2024 wurde er ausgeschafft. Trotz HIV und trotz bekannter Suchterkrankung. Und obwohl ein Zürcher Gericht die Rückführung kurz zuvor als unzumutbar bezeichnet hatte. Es verwies auf die Gefahr eines Kriegseinsatzes und mögliche schwere Folgen für Leib und Leben.
Die Behörden hielten dennoch am Vollzug fest. In Zusammenarbeit mit dem Staatssekretariat für Migration wurde Lanish über Polen an die ukrainische Grenze gebracht. Dort erhielten die Abgeschobenen umgehend militärische Marschbefehle.
Später rückte auch ein weiterer Aspekt in den Fokus: Einer der mit Lanish ausgeschafften Ukrainer berichtete, er sei nach der Rückkehr trotz attestierter Dienstuntauglichkeit unter Druck gesetzt, inhaftiert und misshandelt worden. Seine HIV-Infektion sei dabei nicht behandelt worden.
Auch im Fall von Lanish war den Behörden die Abhängigkeit bekannt. Geprüft wurde vor der Ausschaffung lediglich, ob er transportfähig war. Was ihn in einem Kriegsgebiet ohne stabile medizinische Versorgung erwarten würde, blieb offen.
Nach seiner Ankunft folgte der Entzug, allein in einem Hotelzimmer. Später versteckte er sich vor einer möglichen Einberufung. Sein Leben bewegte sich zwischen Abhängigkeit, Angst und Perspektivlosigkeit.
Seine Mutter in der Schweiz sucht nach Antworten und prüft rechtliche Schritte. Für sie bleibt die Frage, ob dieser Ausgang hätte verhindert werden können.
Lanish war wegen eines Raubdelikts und weiterer Vergehen verurteilt worden. Die Konsequenz war ein Landesverweis. Monate nach der Ausschaffung ist er tot.
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