Die Kandidatur für die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2038 nimmt Fahrt auf. Am 30. April 2026 veröffentlichte der Verein "Switzerland 2038" die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage des Instituts gfs.bern: 61 Prozent der Schweizer Bevölkerung unterstützen die Bewerbung.
33 Prozent sind klar dafür, 28 Prozent eher dafür. Nur 24 Prozent der Befragten finden, die Schweiz solle gar nicht erst versuchen, die Spiele zu holen. Drei Viertel der Bevölkerung haben bereits von der möglichen Austragung gehört.
Die Zahlen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Schweiz im IOC-Prozess eine privilegierte Position einnimmt. Seit November 2023 führt das Land exklusive Gespräche mit dem Internationalen Olympischen Komitee. Dieses Zeitfenster läuft bis Ende 2027. Bis dahin soll die Kandidatur so weit ausgearbeitet sein, dass der IOC-Exekutivrat gegebenenfalls schon Ende 2026 in den nächsten Verfahrensschritt einsteigen kann.
Das Besondere an "Switzerland 2038" ist das dezentrale Modell. Erstmals in der olympischen Geschichte soll nicht eine Stadt oder eine Region, sondern ein ganzes Land die Spiele ausrichten. Die Wettbewerbe verteilen sich über alle Landesteile – von Genf bis St. Moritz, von Zürich bis ins Tessin.
Konkret sind unter anderem vorgesehen: Alpin-Ski in Crans-Montana, Biathlon in Lenzerheide, Skispringen und nordische Disziplinen in Engelberg, Bob, Rodel und Skeleton in St. Moritz-Celerina, Eishockey in Zürich, Zug und Lugano, Eiskunstlauf und Short Track in Lausanne sowie Curling und Eisschnelllauf in Genf. Die Eröffnungsfeier ist in Lausanne, die Schlussfeier in Bern geplant. Auch die Paralympics finden dezentral statt, mit Stationen in der Romandie, im Wallis, in Genf, Lenzerheide und St. Moritz.
Der CEO des Vereins, Frédéric Favre, brachte es bei der Präsentation auf den Punkt:
"In der olympischen Geschichte waren es bisher immer Städte oder Regionen, die Spiele ausgetragen haben. Das IOC hat die Regeln geöffnet.
Und wir wollen diese Chance nutzen, damit die Schweiz zum ersten 'Host Country' in der Geschichte der Olympischen und Paralympischen Spiele wird."
Die Finanzierung der Kandidatur und der Spiele soll zu großen Teilen privat erfolgen. Im Februar 2026 wurde die Marke On erster privater Partner und leistete eine Finanzgarantie.
Ruth Metzler-Arnold, Präsidentin von Swiss Olympic, hob die breite sportpolitische Rückendeckung hervor:
"Die Sportverbände aus dem Winter- und Sommersport, olympisch und nicht olympisch, wollen Olympische und Paralympische Winterspiele 2038 in der Schweiz. Sie erkennen, welch nachhaltige Wirkung ein solcher Anlass auf den Sport entfaltet."
Ein zentrales Element der Kandidatur ist das Finanzierungsmodell. Das Gesamtbudget liegt bei rund 2,2 Milliarden Franken über zehn Jahre. 82 Prozent sollen privat finanziert werden, 18 Prozent kommen von Bund, Kantonen und Gemeinden. Wichtig: Es gibt keine Defizitgarantie der öffentlichen Hand. Stattdessen wird eine private Defizitgarantie von 200 Millionen Franken angestrebt, ergänzt durch Reserven.
Am 4. Februar 2026 gab der Verein bekannt, dass die Schweizer Sportmarke On als erster privater Partner eine "maßgebliche Finanzgarantie" leistet. On übernimmt als "Fahnenträger" rund zehn Prozent der benötigten privaten Garantie.
Der Bundesrat hat die Kandidatur im Januar 2026 offiziell unterstützt und bis zu 200 Millionen Franken Bundesmittel in Aussicht gestellt. Das Sportparlament hat die angepassten Pläne im Mai 2024 freigegeben. Bereits im Februar 2024 hatte der Exekutivrat von Swiss Olympic beschlossen, das Projekt weiterzuführen.
Die Umfrage vom April 2026 zeigt, wo die Stärken der Kandidatur liegen. 79 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass die Schweiz über die notwendige Infrastruktur und ein leistungsfähiges Mobilitätsnetz verfügt.
74 Prozent sehen die dezentrale Austragung als Stärke. 70 Prozent erwarten einen gesellschaftlichen Mehrwert, und 74 Prozent glauben, dass die Spiele positive Impulse für den Nachwuchs im Sport setzen können.
Co-Präsidentin Ruth Wipfli Steinegger bewertete die Ergebnisse positiv. Sie erklärte, es sei ein starkes Signal, dass eine klare Mehrheit der Bevölkerung die Kandidatur für die Winterspiele 2038 unterstütze:
"Es ist ein starkes Signal, dass eine klare Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer hinter der Kandidatur steht. Diesem Vertrauen wollen wir mit einer verantwortungsvollen und glaubwürdigen Planung gerecht werden."
Der Verein "Olympische und Paralympische Winterspiele Switzerland 2038" wurde Ende 2023 gegründet. Träger sind die nationalen Wintersportverbände, Swiss Olympic und Swiss Paralympic.
Seit Oktober 2024 leitet der ehemalige Walliser Staatsrat Frédéric Favre das Projekt als CEO. Im August 2025 übernahm Lenka Kölliker das Co-Präsidium, nachdem Urs Lehmann sein Amt niedergelegt hatte, um CEO der FIS zu werden. Als zweite Co-Präsidentin amtiert Ruth Wipfli Steinegger.
Bis Ende 2027 soll die Schweiz die Kandidatur so weit ausarbeiten, dass das IOC eine fundierte Entscheidung treffen kann. In den kommenden Monaten stehen die weitere politische und finanzielle Absicherung sowie die Vertiefung des Venue- und Legacy-Konzepts im Mittelpunkt. Studien der Hochschule Luzern gehen bei einer Realisierung von einer Wertschöpfung zwischen 2,75 und 3,68 Milliarden Franken sowie von 19.000 bis 25.000 Vollzeitstellen aus.
Die offizielle Projektwebseite betont, dass die Spiele Tradition mit Innovation verbinden, den nationalen Zusammenhalt stärken und über den Sport hinaus Wirkung entfalten sollen. Ob daraus tatsächlich Olympische und Paralympische Winterspiele 2038 in der Schweiz werden, entscheidet sich in den kommenden zwei Jahren.
Die Voraussetzungen dafür sind mit dem exklusiven Dialog mit dem IOC, der breiten Unterstützung aus dem Sport, den ersten privaten Garantien und der klaren Mehrheit in der Bevölkerung gegeben.
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