Afrika

Massaker in Äthiopien: 47 orthodoxe Christen getötet

In der Arsi-Zone der äthiopischen Oromia-Region kommt es immer wieder zu blutigen Übergriffen gegen die Minderheit der orthodoxen Tewahedo-Gläubigen. Die Täter sind lokale Rebellengruppen und Extremisten. Bei dem jüngsten Angriff wurden 47 Menschen getötet. Die Überlebenden bangen um ihr Leben, da die Regierung nicht eingreift.

Bei einem nächtlichen Angriff auf mehrere ländliche Gemeinden in Zentraläthiopien wurden laut Berichten regionaler Medien mindestens 47 orthodoxe Christen getötet. Außerdem wurden ihre Häuser in Schutt und Asche gelegt und die gesamte Lebensgrundlage der betroffenen Familien geplündert. Das Massaker ereignete sich in der Arsi-Zone der äthiopischen Oromia-Region und hat einen ethisch-konfessionellen Hintergrund. In den zahlreichen im Internet kursierenden Videos werden Trauerszenen mit in Bettlaken gehüllten Opfern gezeigt. 

Schilderungen der Überlebenden zufolge, brach die schreckliche Gewalt am Freitag gegen 22:00 Uhr aus, als schwer bewaffnete Gruppen Bauernfamilien in ihren Häusern in mehreren Dörfern systematisch umzingelten und alle Fluchtwege absperrten. Dann eröffneten sie das Feuer und setzten die Wohnhäuser in Brand.

Nach Angaben trauernder Familien vor Ort und lokaler Quellen handelte es sich bei den Angreifern um lokale bewaffnete Gruppen, die in dieser Region operieren, die sogenannte Oromo Liberation Army, sowie um extremistische Elemente, die aus benachbarten Bezirken mobilisiert worden waren. Viele Opfer haben Zuflucht in der örtlichen Kirche gesucht. Unter den Getöteten befanden sich neben Landwirten auch Geistliche und Kirchenbedienstete. 

In Oromia, der größten Region Äthiopiens, kam es unter anderem in der East Arsi Zone in den vergangenen Jahren wiederholt zu gezielten Angriffen gegen orthodoxe Christen. Die Gewalt eskalierte bis zu Pogromen und Vertreibungen. Die Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche sowie Bischöfe warnten mehrfach vor einer systematischen Kampagne und dem Versagen der Behörden, Schutz zu bieten. Die Regierung geriet diesbezüglich oft in die Kritik, Übergriffe herunterzuspielen oder zu verschweigen. Bei den Opfern des jüngsten Massakers handelt es sich um ethnische Amharen, die der Tewahedo-Kirche angehören, während mutmaßliche Täter den Oromo zugeordnet werden. Die Oromo sind mit rund 35 Prozent der Gesamtbevölkerung (etwa 25 bis über 40 Millionen Menschen) die zahlenmäßig größte Volksgruppe in Äthiopien. 

Die Hinterbliebenen behaupteten, die Angreifer hätten mit stillschweigender Unterstützung lokaler Verwaltungsstrukturen gehandelt. Als infolge des Angriffs ganze Viertel in Brand gesteckt wurden, flehten verängstigte Bewohner der Ortschaft Gobesa – dem Verwaltungssitz des Woreda Shirka – die örtliche Polizei und die Sicherheitskräfte an, einzugreifen und ihre Angehörigen zu retten. Berichten zufolge sahen die Sicherheitskräfte jedoch tatenlos zu und behaupteten, sie hätten keinen offiziellen Befehl zum Einsatz erhalten.

Der ehemalige UN-Diplomat und Mitglied der Friedensmissionen in Afrika, Berhanemeskel Nega, warf der Regierungspartei Äthiopiens Versagen vor. "Welche weiteren Beweise würden benötigt, um zu zeigen, dass Äthiopien unter der Oromo Prosperity Party bereits ein gescheiterter Staat ist?", schrieb er auf X.

Die Wohlstandspartei von Premierminister Abiy Ahmed dominiert seit 2018 das Parlament. Im Jahr 2019 bekam Regierungschef Ahmed den Friedensnobelpreis für die Entschärfung des jahrzehntelangen Nachbarschaftskonflikts mit Eritrea. Dann führte Ahmed sein Land von 2020 bis 2022 in einen blutigen Bürgerkrieg in der nördlichen Region Tigray. In dem brutalen bewaffneten Konflikt zwischen der äthiopischen Zentralarmee und der Volksbefreiungsfront von Tigray (Tigray People Liberation Front/TPLF) starben Hunderttausende durch direkte Kampfhandlungen, Massaker, aber vor allem auch durch Hunger und fehlende medizinische Versorgung infolge von Blockaden. 

In der Region Oromia nahmen in den letzten Monaten die Übergriffe auf dort als Minderheit lebende christliche Amharen zu. Der letzte von Internet-Medien dokumentierte Gewaltakt mit dutzenden Todesopfern fand in Asenko in der Asri-Zone statt, bei dem 53 Menschen getötet, 190 vermisst und 1,875 vertrieben wurden. Aktivisten werfen der Zentralregierung Genozid gegen die Amharen vor. 

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