Nahost

Unklarer Status quo in der Straße von Hormus – Handelsschiffe brechen Durchfahrt ab

Teheran erklärte am Vortag die Straße von Hormus "für vollständig freigegeben". Washington deklarierte die Mitteilung als Zeichen eines strategischen Sieges im Kampf der Deutungshoheiten. Trotz der Ankündigung freier Seewege hat eine Gruppe von rund 20 Handelsschiffen den Versuch abgebrochen, die Passage zu passieren.
Unklarer Status quo in der Straße von Hormus – Handelsschiffe brechen Durchfahrt ab© Urheberechtlich geschützt

Die aktuelle Situation im Iran-Krieg bleibt weiterhin fragil und ist vordergründig geprägt von jeweiligen Wahrnehmungen und Erfolgsmitteilungen durch politische Verantwortliche in Washington und Teheran. Irans Außenminister Abbas Araghtschi hatte am Freitag in einem X-Beitrag erklärt, dass die Meerenge vorerst "für alle Handelsschiffe" geöffnet sei. Der US-Präsident teilte im Anschluss seine diesbezüglichen Wahrnehmungen mit, so unter anderem, dass Iran "die Straße von Hormus nie wieder sperren wird". Teheran konterte mit der Erklärung, dass Trump "innerhalb einer Stunde sieben Behauptungen aufgestellt" habe, um zu erklären: "Alle sieben sind Lügen".  

Der gestrige Tag sorgte mit der X-Ankündigung von Irans Außenminister Abbas Araghtschi zur Frage des Status quo in der Straße von Hormus für weltweites Aufhorchen. So heißt es in dem Beitrag:

"Im Einklang mit dem Waffenstillstand im Libanon wird die Durchfahrt für alle Handelsschiffe durch die Straße von Hormus für die verbleibende Dauer des Waffenstillstands auf der bereits von der Hafen- und Seeschifffahrtsorganisation der Islamischen Republik Iran bekannt gegebenen koordinierten Route für vollständig freigegeben erklärt."

Washington, explizit US-Präsident Donald Trump, wertete im Rahmen der Hintergrundgespräche die Mitteilung als unmissverständlichen Punktsieg in dem andauernden Konflikt um das militärische Ende des US-israelischen Krieges gegen Iran. So lauteten mehrere Truth-Social-Kommentare zu parallelen Dynamiken neben Teherans angekündigter Freigabe der Handelsschifffahrtswege in der Straße von Hormus:

  • Iran hat mithilfe der USA alle Seeminen geräumt oder ist dabei, sie zu räumen
  • Die Straße von Hormus ist vollständig geöffnet und für den Handel sowie den ungehinderten Durchfahrtsverkehr bereit, aber die Marineblockade bleibt in voller Kraft und Wirkung bestehen, da sie sich ausschließlich auf Iran bezieht, bis unsere Geschäftsabwicklung mit Iran zu 100 Prozent abgeschlossen ist.

Im Verlauf des gestrigen Tages zeigten sich dann auch erste Schiffsbewegungen in der Region, wobei in Agenturmeldungen bereits erklärt wurde:

"Die Durchfahrt aller kommerziellen Schiffe erfolgt auf einer koordinierten Route, die von der iranischen Hafen- und Schifffahrtsbehörde bekannt gegeben wurde."

In der Nacht und am frühen Samstagmorgen berichteten dann mehrere US- und arabische Agenturen, dass "Schiffsbewegungsdaten zufolge die meisten Schiffe, darunter Containerschiffe, Massengutfrachter und Tanker, wieder umgekehrt" seien. Die Lage vor Ort sei weiterhin nicht sicher genug, sodass laut Meldungen "eine Gruppe von rund 20 Handelsschiffen den Versuch abgebrochen hat, die Straße von Hormus zu passieren". Zu der Gruppe gehörten demnach auch drei Containerschiffe der französischen Reederei CMA CGM.

Laut Al Jazeera am frühen Morgen, würden aktuell nach Angaben des Schifffahrtsdatenanbieters MarineTraffic "vier Flüssiggastanker sowie mehrere Produkt- und Chemietanker" versuchen, die Seepassage zu passieren. Den Daten zufolge würden zudem weitere Tanker aus dem Gebiet des Arabischen Golfs sich auf der Straße von Hormus bewegen. Der Schiffsverkehr beschränke sich nach Angaben der Datenfirma Kpler weiterhin rein auf Korridore, für deren Passage eine Genehmigung nötig ist.

Hinsichtlich der mehr als differenten Wahrnehmungen in Washington und Teheran meldete sich am frühen Samstagmorgen der Sprecher des iranischen Parlaments, Mohammed Bagher Ghalibaf, unmissverständlich auf X zu Wort, um wörtlich im Rahmen mehrerer Beiträge zu kommentieren:

"Der US-Präsident hat innerhalb einer Stunde sieben Behauptungen aufgestellt – alle sieben sind Lügen.
Mit diesen Lügen haben sie den Krieg nicht gewonnen und werden auch bei den Verhandlungen sicherlich nichts erreichen. 
Solange die Blockade andauert, wird die Straße von Hormus nicht geöffnet bleiben.
Die Durchfahrt durch die Straße von Hormus erfolgt auf der 'festgelegten Route' und mit 'Irans Erlaubnis'.
Ob die Meerenge geöffnet oder geschlossen ist und welche Regeln dort gelten, entscheidet sich auf dem Schlachtfeld – nicht in den sozialen Medien."

Eine Reaktion aus Washington auf diese Erklärungen erfolgte bis dato nicht. Demgegenüber erklärte der US-Präsident noch am gestrigen Nachmittag auf Truth Social:

"Nachdem sich die Lage in der Straße von Hormus beruhigt hatte, erhielt ich einen Anruf von der NATO mit der Frage, ob wir Hilfe benötigen würden. Ich habe ihnen gesagt, sie sollen sich heraushalten."

Trump reagierte damit auf das gestrige Treffen von europäischen Verbündeten in Paris, ausgehend einer Initiative seitens Paris und Londons. Bei der "Konferenz zur Sicherung der Seefahrt" in der Straße von Hormus diskutierten die anwesenden Staats- und Regierungschefs anvisierte "Grundzüge einer entsprechenden Militärmission" in der Region. Die ARD-Tagesschau berichtete im Anschluss:

"Zu viert traten Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der britische Premierminister Keir Starmer, Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Bundeskanzler Friedrich Merz in Paris vor die Mikrofone. Der Auftritt sollte ein Symbol der europäischen Geschlossenheit senden."

Verkündet wurden Ergebnisse einer "gemeinsamen Botschaft der rund fünfzig Staaten und Organisationen", die zum größten Teil per Videozoom teilnahmen. Die verlesene Forderung lautet:

"Wir verlangen die sofortige, vollständige und bedingungslose Öffnung der Meerenge von Hormus durch alle beteiligten Parteien. Wir verlangen die Wiederherstellung der freien Durchfahrt wie vor dem Krieg und den vollen Respekt des internationalen Seerechts."

Genauere Abläufe sowie Details zu der möglichen militärischen "multinationalen Mission zur Sicherung der Straße von Hormus" würden die kommenden Wochen ergeben.

Mehr zum Thema  Marineinspekteur Kaack zeigt Skepsis gegenüber Einsatz am Persischen Golf

Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.