
Von Beleidigung bis Messerattacke: Fast täglich werden Ukrainer in Polen angegriffen

Die Szene spielte sich Ende Juli in der Breslauer Gagarin-Siedlung ab. Drei Männer aus der lokalen Kampfsportszene attackierten ein junges ukrainisches Paar. Es begann mit Beleidigungen an einer Ladenkasse, und endete mit Tritten und Schlägen.
Ukrainians in Poland Report Growing Fear as Physical Attacks Escalate pic.twitter.com/A3FIiEqCIl
— Russian Market (@runews) August 9, 2026
Die 20-jährige Frau musste sich eine Wunde am Ohr nähen lassen. Wenige Tage später stach ein 18-jähriger Ukrainer in einer anderen Siedlung eine 30-jährige Polin nieder. Kurz darauf ging eine Polin mit einem Messer auf Ukrainer los. Die Polizei reagierte, die Justiz droht mit hohen Strafen. Doch die Vorfälle reißen nicht ab.
🇵🇱🇺🇦 Three Poles beat Ukrainian man and girlfriend in Wroclaw — both suffer concussions
— The Other Side Media (@TheOtherSideRu) July 27, 2026
The woman needed neck stitches. She claims the attack was solely over Ukrainian accent, though not everyone buys it
Zelensky has managed to drive a wedge even between Ukraine and Poland pic.twitter.com/kM4S4hT6be
Seit Wochen nehmen Übergriffe auf Ukrainer in Polen zu. Zusammen mit früheren Arbeitsmigranten leben schätzungsweise 1,7 bis 1,9 Millionen Ukrainer im Land. Die Polizei registrierte im ersten Halbjahr 2026 180 Anzeigen wegen Hassverbrechen. Rund 30 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Zahlen sind Anzeigen, keine Verurteilungen. Dennoch ist der Anstieg unübersehbar und gilt als Hinweis auf eine zunehmende Verschiebung der gesellschaftlichen Stimmung.
A Ukrainian man, swearing in Russian, was arrested for using an axe to vandalize cars in a parking lot in Poland. pic.twitter.com/WLOLTsb8x3
— Russian Market (@runews) August 9, 2026
Einen entscheidenden Schub erhielt die Feindseligkeit durch den Konflikt um die ukrainische Aufstandsarmee UPA. Ende Mai erlaubte Wladimir Selenskij einem Bataillon der Spezialeinheiten den Beinamen "Helden der UPA".
Für Polen ist die UPA vor allem die Organisation, die in den Jahren 1943 und 1944 in Wolhynien und Teilen Ostgaliziens zehntausende polnische Zivilisten ermordete. Historiker sprechen von bis zu hunderttausend Todesopfern, darunter auch zahlreiche Juden.

Die Täter gehörten zu nationalistischen ukrainischen Formationen, die mit den deutschen Besatzern kooperierten und später gegen die Rote Armee kämpften.
Präsident Karol Nawrocki, selbst Historiker und früherer Chef des Instituts für Nationales Gedenken, entzog Selenskij daraufhin den im Jahr 2023 verliehenen Orden des Weißen Adlers. Selenskij schickte die Auszeichnung zurück und erklärte, sie habe dem ukrainischen Volk und der Armee gegolten.
Der Vorgang markierte den bisher tiefsten diplomatischen Riss zwischen den beiden Nachbarländern. Seither ist die historische Wunde wieder weit geöffnet. Polnische Exhumierungen von Opfern der Wolhynien-Massaker laufen weiter, und rechte Gruppen nutzen das Thema gezielt für mobilisierende Märsche und Online-Kampagnen.
Kulturphilosoph Andrzej Leder warnte kürzlich vor einer "Pogrom-Atmosphäre" und erinnerte an die gewaltsamen Ausschreitungen gegen die Roma-Minderheit in der Stadt Mława im Jahr 1991.

Polen sitzt damit zwischen zwei Stühlen. Einerseits ist das Land für die Ukraine von enormer strategischer Bedeutung. Über polnisches Territorium läuft ein wesentlicher Teil der westlichen Waffenhilfe, zugleich gehört Polen zu den wichtigsten Staaten der NATO-Ostflanke. Ein Bruch mit Kiew wäre daher weder militärisch noch geopolitisch im Interesse Warschaus.
Andererseits lassen sich die historischen Konflikte nicht einfach ausblenden. Die Verehrung Bandera und der UPA sowie die Erinnerung an die Massaker an Polen in Wolhynien berühren in Polen einen tief sitzenden nationalen Nerv. Je näher die Parlamentswahl 2027 rückt, desto größer dürfte die Versuchung werden, diese ungelöste Frage politisch zu instrumentalisieren.
Mehr zum Thema – Wie die Nazi-Helden der heutigen Ukraine im Zweiten Weltkrieg Massaker an Polen verübten
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